Teil 2: Meine körperliche Diätmacke

Es gibt körperliche und mentale Macken, angerichtet durch Diäten.

Zu den körperlichen Diätmacken gehört z.B. der berühmt/berüchtigte Hungerstoffwechsel. 

Hier habe ich einen Artikel dazu geschrieben, warum es den “kaputten” Stoffwechsel rein physikalisch nicht geben kann. 

Trotzdem gibt es ein paar handfeste Dinge, die im Körper passieren und den Jojo-Effekt begünstigen, wie den Zappel-nicht Effekte. Diese Effekte habe ich schon ausführlich in diesem Artikel recherchiert. 

Es kommt also zu körperlichen Anpassungen. Der Energiebedarf sinkt, weil man weniger wiegt. Durch den Zappel-Nicht Effekt sinkt der Energiebedarf nochmal. 

Muskeln sind abgebaut worden und nicht wieder aufgebaut. Der Energiebedarf sinkt weiter. 

Es kann bei Diäten mit sehr restriktiver Kalorieneinschränkung zu massivem Haarausfall kommen durch Nährstoffmangel, Kopfschmerzen, Müdigkeit. Bei extremen Diäten gerät sogar der Zyklus durcheinander oder man bekommt massiv schlechte Haut. 

Gleichzeitig bekommt man oft Heißhunger auf hochkalorische Dinge.

Denn diese sind ja oft verboten und damit doppelt so verlockend.  Dies ist nicht nur eine psychische, sondern auch eine physische Folge. Man vermutet, dass der Körper vermehrt appetitanregende Hormone ausschüttet, je schneller und je öfters er Gewicht abgebaut hat.

Dies soll schon ab einer Abnahme von 10 % des Körpergewichts passieren. Manche Untersuchungen berichten von einem 25%tigen Anstieg der Hungerhormone im Körper und einem gleichzeitigen Sinken der Sättigungshormone.

Es gibt z.B. das Konzept der adaptiven Thermogenese. Man hat die Teilnehmer von The Biggest Looser untersucht und festgestellt, dass diese auch noch Jahre nach der Teilnahme an der Diät Show einen verminderten Grundumsatz hatten, verglichen mit anderen Menschen, die nie eine Diät gemacht haben. Das lässt sich in anderen Studien aber nicht reproduzieren. Dieser Effekt ist schon vor 60 Jahren beobachtet worden, ohne das sich ein valider, körperlicher Mechanismus hätte beweisen lassen. 

Die Thermogenese ist das Prinzip der Wärmegewinnung im Körper, damit wir nicht frieren. Steht wenig Energie zur Verfügung, dann drosselt der Körper die Wärmeproduktion, wir frieren schneller. Und es besteht die Vermutung, dass diese Anpassung nach der Diät bestehen bleibt.

Ich glaube, die momentane Wahrheit ist, man weiß nicht so genau was im Körper passiert, wenn man wiederholt Diät hält, also dem Körper Nahrung verweigert, obwohl dieser eindeutig Hunger anzeigt. Es gibt viel wissenschaftliche Theorie.

Aber, das etwas im Körper gründlich schiefläuft, das kann ich für mich eindeutig feststellen. Eine richtige körperliche Diätmacke.

Ich hatte noch nie so viel Hunger wie nach einer Diät. Noch nie so lange soviel Hunger. Und ich konnte das Gewicht nach keiner Diät halten. Immer Hunger, immer auf der Suche nach Nahrung. Nie wohlig satt und zufrieden. Immer im Zustand des Mangels verbleibend.

Der Appetit war deutlich gesteigert.

Und da man so viele Muskeln mit abgebaut hat und ja viel weniger wiegt, ist der Energieverbrauch deutlich geringer.

Aber durch was wird das eigentlich gesteuert? Ich merkte ja, dass ich mehr Hunger habe, mehr grasen will, mein Verlangen nach „verbotenem Essen“ deutlich gesteigert ist.

Sagen wir mal, ich habe meinem Köper vor der Diät immer so um die 2.800 Kalorien gegeben und damit stetig zugenommen. Also fand ich ich mich viel zu dick und reduzierte die Kalorienzufuhr auf 1.700 kcal. Damit nahm ich langsam und stetig ab.

Mit dem neuen Gewicht nach der Diät brauche ich jetzt tatsächlich am Tag aber nur noch 1.800 kcal, da ich meine kleinen Verbrennungsmotoren, die Muskeln, ja abgebaut habe und somit viel weniger Biomasse erhalten muss, da ich insgesamt ja auch weniger geworden bin.

Hunger habe ich aber für mindestens 3000 kcal am Tag und das vermehrt auf hochkalorische Dinge.

Man wird von seinem eigenen Körper getrieben und isst wieder mehr. Dadurch packt man wieder Gewicht drauf, dass meiste aus inaktivem Fett und der Kreislauf beginnt.

Denn mein Gehirn will mich ja beschützen und will nicht, dass ich in diesen ständigen Hungersnöten einen Schaden erleide. Und leider bauen sich Fettzellen nie wieder ab. Die bleiben an Ort und Stelle, sind halt nur geleert. Aber das Gehirn hätte lieber volle Fettzellen, weil ja direkt wieder die nächste Hungersnot aka Diät droht.

Denn meinen Hunger, den steuert ja kein Alien von außen. Natürlich gibt es Augenhunger und Situationen, die zum Überessen triggern, aber selbst im Alltag gibt es ja diesen Essdrang, der unbezwingbar scheint und der mich Schokolade kaufen und vertilgen lässt.

Eben diese vermeintliche Willensschwäche, die aber eine Diätmacke ist.

Aber Hunger ist keine Sache des Willens. Hunger ist ja eher ein Instinkt, ein sehr starker, mächtiger Instinkt. Essen ist Sicherung des Überlebens. Natürlich gibt es noch soziale und gesellschaftliche Funktionen, die Essen erfüllt. Aber in erster Linie sichert der Hunger die Versorgung mit Nährstoffen und unser Überleben.

Aber irgendwas ist während dieser vielen langen Jahre, die ich mit Diäten verbracht habe, in mir passiert, das über normalen Hunger, emotionales Essen oder innere Rebellion hinausgeht. Natürlich ist die verbotene Frucht immer verlockend und viele Dinge waren für mich sehr lange verboten.

Es gibt körperlichen Hunger, es gibt Appetit, es gibt Heißhunger und es gibt Essdrang.

Nun versuche ich fast zwei Jahre lang die Regeln des intuitiven Essens zu verfolgen und nur zu essen wenn ich körperlich hungrig bin und genau das zu essen, dass ich wirklich gerade essen will. Ich höre auf zu essen, wenn ich angenehm satt bin. Es ist alles erlaubt. Vielleicht klappt es nicht immer und oft ist Schokolade in Gedanken immer noch böse, aber ich erwarte von mir auch nicht, dass ich über 30 Jahre eingeübte Diätgedanken innerhalb von zwei Jahren loswerde.

Und es klappt gut, ich nehme nicht zu. ich fühle mich oft wohl mit meinem Essverhalten, ich esse nicht ausschließlich ungesund oder Süßigkeiten. Es hat sich alles gut eingependelt und ich würde es als ausgewogen bezeichnen.

Ein Teil der körperlichen Diätmacke ist dadurch geheilt worden. Ausreichend essen war super gegen Heißhunger, gegen Frieren, gegen Bewegungsunlust. Vieles davon hat sehr gut getan. Körperlichen Hunger kann ich von Appetit unterscheiden, Magenhunger von Augenhunger, hier ist ein Artikel über die Hungerarten.

Aber dieser Essdrang. Dieser verflixte Essdrang, der mich immer wieder überfallt.

Tagsüber im Büro, Abends auf der Couch, beim Stadtbummel.

Ich habe immer gedacht, dieser Essdrang ist emotionales Essen. Ich habe nach Triggern gesucht, oft in diesen Situationen überlegt, was ich wirklich brauche und ja, manchmal war es Langeweile oder ich brauchte einfach nur Ruhe.

Aber oft fand ich nichts, was diesen Essdrang auslöste. Es gab da kein unterdrücktes Bedürfnis oder Gefühl. Ich wollte einfach nur fressen und Essen in mich hineinstopfen. Und danach fühle ich mich oft gut. Etwas in mir war zufrieden. Schon 2018 habe ich einen Artikel darüber geschrieben „Von der Seeligkeit des Überessens“.

Also dachte ich, okay, da muss ich halt mit leben, denn ich bin einfach nur verfressen und fühle mich danach gut, also bleib ich halt dick. Es reicht ja schon, wenn ich einen Weg gefunden habe, nicht noch dicker zu werden, sondern so zu bleiben wie ich bin.

Und dann kam wieder einer dieser kleinen Momente, in dem ich ein Foto von mir sah und dachte. Scheiße, Doppelkinn. Ich will das nicht.

Und heute glaube ich, dass dieser Essdrang ein fehlgeleiteter Impuls aus meinem Gehirn ist. Eine Fehlschaltung. Neurologischer Mumpitz, der seinen Sitz im ältesten Teil meines Gehirns hat. Dem Teil, der nicht aktiv denken kann, sondern der triebgesteuert ist.

Ein echte, aktive, körperliche Diätmacke.

Ziel der A-Methode ist es, dass wir alle irgendwann wieder so intuitiv essen können, dass weder Kalorien zählen noch Verzicht auf bestimmte Lebensmittelgruppen notwendig sind.

Also ist das Wichtigste, wieder mit Genuss und Freude essen zu lernen.

Und damit verschwinden die meisten körperlichen Symptome der Essmacke.

Nur gegen den Essdrang müssen wir noch etwas anderes tun, davon handelt Teil 4.

Und natürlich gibt es auch seelische Diätmacken, die ich mir in Teil 3 angesehen habe.

 

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