Meine „dicke“ Karriere! Wie ich dick geworden bin…

Als Teenager wurde mein Körper auf einmal weiblich. Ich hatte mehr Brust als meine Klassenkameradinnen und ich war auch weicher und weiblicher. Das wollte ich partout nicht sein. Ich wollte genauso sein wie meine Freundinnen. Also startete ich mit 13 meine erste Diät. Damals noch mit meiner Oma, die auch immer mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hatte. Ich lerne bei meiner Oma schon sehr früh kennen, dass das Körpergewicht potentiell immer ein Problem ist!

Wir machen die Brigitte-Diät zusammen. Meine Oma war Hausfrau, sie kochte uns die leckeren Mahlzeiten und wir nahmen gemeinsam ab. Ich hatte gar kein Übergewicht damals, ich war kein dickes Kind. Ich war nur sehr viel früher viel fraulicher als alle meine Freundinnen.

So eine Diät ist ja immer begrenzt, also nahmen wir auch beide nach den Diät-Wochen alles wieder zu. Also folgten die nächsten Diäten. Meine Mutter hat immer den Kopf geschüttelt, aber ich war unbeirrbar. Ich wollte so schlank sein wie meine Freundinnen. Mein Körper ist aber gar nicht darauf ausgelegt, ein Spargel zu sein, ich tendierte schon immer eher zur Sanduhr.

Bis 2006 habe ich jedes Jahr jede Mengen Diäten gestartet und wieder gelassen. Ich habe jedesmal gut abgenommen, einmal sogar 24 Kilo und 30 wieder zugenommen.

Von 2006 bis 2011 habe ich mich nicht gewogen. Ich war es einfach satt, nachdem ich im ersten Urlaub nach Weight Watchers vier Kilo auf einem Schlag zugenommen hatte, obwohl ich kaum was gegessen hatte. Ich war nur eine Woche in Urlaub, nicht vier Monate. Mein Gewicht war ein Arsch. Alles andere hatte auch nicht funktioniert.

Ich wurde mit jedem Jahr dicker.

2007 musste ich lange Cortison einnehmen und das gab noch einmal so einen richtigen Schub nach oben. Zu der Zeit ging es mir gesundheitlich nicht gut, es gab da einfach viel wichtiger Dinge als mein Gewicht. Das wird echt nebensächlich, wenn der Körper nicht mehr so funktioniert, wie man es sonst als selbstverständlich angesehen hatte.

War die Hose zu eng, habe ich einfach eine neue gekauft. Irgendwann hat dann mein Hausarzt die Reißleine gezogen und ich musste mich in der Praxis auf die Waage stellen.

Er hat mich gezwungen mit vorgehaltener Krankenakte. Ich habe nicht hingeguckt, NEIN, ich wollte es nicht wissen. ER hat es laut gesagt, GANZ laut. Naja, zumindest noch unter 100, war damals sein trockener Kommentar. Sein Tipp war, ich sollte doch kaltes, gekochtes Gemüse in der Mittagspause essen. 98 Kilo hat die Waage angezeigt.  Kaltes gekochtes Gemüse, niemand ißt kaltes gekochtes Gemüse….wirklich niemand.

Das war auch mein absoluter Höchststand. Ich war nie ein Ühu, die 100 Kilo Marke habe ich nie geknackt.

Lese ich jedoch meine Tagebucheinträge aus den letzten 20 Jahren bekomme ich einen Lachanfall. Deswegen werde ich ab und an mal welche einkopieren, weil da auch seit Jahrzehnten immer das Gleiche steht. Zwar in allen möglichen Varianten, aber im Endeffekt heule ich immer herum, das ich so dick bin, egal was ich wiege.

Kennt ihr das?

Tagebucheintrag vom 20.02.1996

 

 

(Visited 1.002 times, 1 visits today)

2 Antworten auf „Meine „dicke“ Karriere! Wie ich dick geworden bin…“

  1. Wie ich das alles kenne! Eine Diät nach der anderen – Zunahmen danach ! Immer wieder auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau – die habe ich bis heute nicht gefunden! Wenn ich mir meine älteren Blogeinträge ansehe – ist es so als wenn ich sie heute geschrieben hätte! Was habe ich dazu gelernt? Ich würde mal sagen NICHTS!
    Schön dich das ich dich gefunden habe.
    Liebe Grüße Patricia

    1. Hallo Patricia,
      wir haben doch eine ganze Menge dazugelernt. Weil wir eins nach dem anderen probiert und festgestellt haben, dass es nichts bringt. Das genau ist doch exakt das Prinzip des Lernens…lach. Try and error. Also ist alles gut und bringt uns unserem Ziel näher. Ich fühl mich jetzt trotzdem besser und ich komme schneller aus der Spirale wieder raus. Früher habe ich dann zwei Wochen Shakes getrunken, um zu merken, dass es nichts bringt. Heute trinke ich im Wahnanfall nur zwei Tage Shakes und komme dann wieder zu mir.
      Und ich gebe auch nicht mehr so viel Geld aus für komische Lebensmittel und Super-Fucus-Schlank-Pflaster oder andere merkwürdige Dinge. Mental geht es mir besser. Und ich habe in deinem Blog gestöbert und so viel von mir darin gefunden, da fühlt man sich direkt nicht mehr alleine :). Schön das du da bist.
      Und die Frage ist ja, welches Ziel man für sich definiert. Früher habe ich nur stur gesagt, ich will 25 Kilo abnehmen. Heute möchte ich immer noch 25 Kilo abnehmen, aber mich dabei gesund fühlen und vergnügt und lebenslustig. Und wenn es ganz langsam geht, ist das auch okay. Manchmal habe ich Ausschläge nach oben und fühle dann direkt wieder den Diätwahn, aber ich habe das besser im Griff und hau mich nicht selber dafür. Unten in den Kommentaren von Marc und Karin wird das Intueat Programm von Mareike Awe zum Essen mit Achtsamkeit empfohlen. Da beschäftige ich mich gerade mit und es fühlt sich auch gut an, mal sehen. Ich bleibe dran :). Liebe Grüße Andrea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.